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Igel
 

Ende Oktober 2003 haben wir ein "Pflegekind" übernommen: Mecki ist bei uns eingezogen. Wir haben den Jung-Igel aus einem überfüllten Tierheim geholt und versucht, ihn gut durch den Winter zu bekommen.

 
   
 

Das ist gar nicht so einfach: Abgesehen vom "Bau" eines Winterquartiers und einer Eingewöhnungszeit an sein neues Domizil gibt es viel zu beachten. Allem voran ist die richtige Ernährung wichtig, aber auch Punkte wie Raumtemperatur, Geräuschkulisse, und genügend Auslauf gilt es zu beachten.

330 Gramm und Husten
Unser Mecki "startete" mit 330 Gramm und nahm dann auch gut an Gewicht zu, hatte allerdings einen ziemlichen Husten (wobei nicht jedes Husten auch ein solches ist, sondern manchmal auch nur Kommunikation!). In diesem Fall aber ließen wir den Igel gegen Lungenwürmer behandeln - und das Husten wurde enorm weniger. Dummerweise hat sich Mecki auch noch eine Art Darminfektion eingefangen. Sein Kot war unansehnlich grün und gelb geworden, und er fraß nichts mehr. Was wir auch anstellten - es hatte keinen Erfolg, und unser Igel verlor etwa 100 Gramm, was fast einem Fünftel seines Gewichtes ausmachte.

Bei der Igelhilfe, die uns auch schon in Sachen "Husten", Ernährung und Raumtemperatur wertvolle Tipps gegeben hat, schilderten wir die Situation und fragten nach Rat. Mit einem Rezept pflichtigen Medikament haben wir anscheinend die Darmerkrankung in den Griff bekommen, und der Appetit stellte sich zum Glück wieder ein.

Winterschlaf
Ende November hat sich Mecki knapp 600 Gramm angefuttert, so dass wir ihn Anfang Dezember aus dem Gäste-WC nach draußen auf die Terrasse umquartiert haben. Er konnte dann sein bisheriges Papp-Häuschen gegen ein aus Holz gebautes tauschen. Mittlerweile ist es frostig draußen geworden und er hält sich viel in seinem Haus auf; nur zum Futtern kommt er noch raus - wahrscheinlich ist es ihm zu kalt geworden. Doch bislang will er nicht so richtig in den Winterschlaf fallen: Mal sehen wir ihn zwei oder drei Tage nicht, dann frisst er ein paar Häppchen und verzieht sich wieder in sein Häuschen. Wir sind gespannt, wann er eine längere Ruhepause einlegt.
Ende Januar / Anfang Februar 2004 schläft unser Mecki für längere Zeit. Zunächst hatten wir geglaubt, dass er gelegentlich mal aufwacht und futtert, denn das für Notfälle bereit gestellte Futter war von Zeit zu Zeit alle. Erst als Schnee gefallen war und wir Katzenspuren zu Meckis Futterstelle und wieder zurück sehen konnten, war klar, dass es sich um einen "Kostgänger" handelte. So haben wir die Futterstelle dann auch mit einem Papp-Dach versehen und zur Sicherheit auch den Fressnapf mit einer umgedrehten Untertasse abgedeckt - den sollen Katzen wohl nicht abheben können.

Wie lange schläft der denn?
Der Winter mit fürs Ruhrgebiet ungewöhnlich viel Schnee blieb bis Mitte März, dann stiegen die Temperaturen sehr schnell an und wir warteten auf ein "Lebenszeichen" von unserem Mecki. Nach einigen warmen Tagen bis 20°C haben wir dann die Igelhilfe angerufen und waren beruhigt: Auch dort schliefen noch die Hälfte aller Igel. Zur Sicherheit haben wir ganz vorsichtig das Dach des Schlafhauses abgehoben und die vielen Zeitungsschnipsel entfernt, bis wir einige Stacheln sehen konnten. Als ich mit dem Finger leicht darüber strich, bewegten sie sich - Mecki lebt also noch.
Am dritten Aprilwochenende war es dann endlich soweit: mit Rascheln, Kratzgeräuschen und "Husten" kündigte Mecki an, dass er jetzt wach ist. Großen Hunger hatte er zunächst nicht, aber riesigen Durst! Anscheinend ist er ganz gut durch den Winter gekommen, denn rein optisch ist er nicht so dünn geworden wie wir befürchtet hatten. Die Waage diagnostizierte immerhin etwas mehr als 600 Gramm - scheinbar hat unser Stacheltier keine Kräfte zehrenden Aufwachphasen gehabt, sondern gut durchgeschlafen.

In die Freiheit...
Nach genau zwei Wochen, Anfang Mai, kam unser Igel nochmal auf die Waage: 770 Gramm erschienen und ausreichend, um ihn nun in die Freiheit zu entlassen. Am frühen Abend stellten wir sein Schlafhaus in unserer Nachbarschaft unter die schützenden Äste einer Hecke, den Ausgang zur Wiese hin gerichtet. Natürlich haben wir auch das Papp-Häuschen, in dem immer sein Futter stand, mit rausgestellt. Es war schon dunkel, als Mecki herauskam, sich vermutlich wunderte und langsam aber zielstrebig Richtung Hecke marschierte. Das hatten wir nicht erwartet! Wir hatten damit gerechnet, dass er auf der Wiese umherläuft und sein neues Territorium nach Essbarem absucht. Aber er verschwand einfach, ohne sich nochmal umzudrehen, im Gebüsch und war weg!
Als am nächsten Morgen das Futter nicht angerührt war, waren wir nicht mehr ganz sicher, ob es Mecki in der Freiheit gut geht. Natürlich ist der Igel ein wild lebendes Tier und unsere Verantwortung für ihn endet jetzt, aber dieser abrupte Schluss ließ uns doch etwas zweifeln, ob er sich sofort in der Natur zurecht findet. Die nächsten Tage war Mecki verschwunden: er schlief nicht in seinem Häuschen, das Futter blieb unangerührt, und gesehen haben wir ihn auch nicht. Das war's dann wohl - dachten wir. Doch nach sechs Tagen war das Stacheltier wieder da! Hatte das Futter verputzt und sich ins Häuschen zum Schlafen zurückgezogen. Vermutlich musste er erstmal seine Freiheit genießen und die Gegend erkunden, und als ihm nach ein paar Tagen einfiel, dass er ja auch was futtern muss, hat er sich wohl an seine "Pension" erinnert. Die nutzt er noch ein paar Tage, dann zog er endgültig los. Wir wünschen alles Gute, Mecki!

 

Ein Wort zum Verein "Igelhilfe Berlin e.V."
Wer ein Problem mit seinem Igel hat oder auch nur einfach Ratschläge und Tipps benötigt, findet bei der Igelhilfe in Berlin Experten, die wirklich helfen können; sie beschäftigen sich seit Jahren mit diesen Tieren. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Fachkompetenz der Igelhilfe in der Regel die Konsultation eines Tierarztes in vielen Fällen entbehrlich macht; ich würde in jedem Fall immer zuerst in Berlin um Rat fragen.

   
    Futter-Rezept
Externer Link!   www.igelhilfe.de
   
29.09.2008